Kanzlei für Familien- und Erbrecht
Jan R. Großmann
Rechtsanwalt und Fachanwalt für Familienrecht

Wissenswertes

Vergleich der Güterstände: Zugewinngemeinschaft oder Gütertrennung?

Güterstände: Vor- und Nachteile

Die Gütergemeinschaft als seltener und in der Praxis problematischer weiterer Güterstand wird nicht behandelt, ebenso wenig ausländische Güterstände oder der seit 2013 bestehende „deutsch-französische“ Wahlgüterstand.

Zugewinngemeinschaft

Gütertrennung

Tritt automatisch mit Eheschließung ein

Erfordert notarielle Vereinbarung (Kosten abhängig vom Vermögen der Ehegatten)

Keine Haftung für Schulden des Ehepartners (allenfalls indirekt durch verminderten Ausgleichsanspruch)

Keine Haftung für Schulden des Ehepartners

Ausgleich des Zugewinns bei Beendigung durch Scheidung, Tod oder Vereinbarung Gütertrennung

Kein Ausgleich (Zuwendungen an den anderen Ehegatten sollten wohlüberlegt sein)

Beschränkung der Verfügung über das Vermögen im Ganzen (Zustimmung des anderen erforderlich, wenn über rd. 90% oder mehr des Vermögens eines Ehegatten verfügt werden soll)

Keine Beschränkung

Zugewinnausgleich steuerfrei (auch keine Anrechnung auf Erb/Schenkungssteuerfreiträge); eröffnet die Möglichkeit der „Güterstandsschaukel“ (steuerfreie Übertragungsmöglichkeit durch Beendigung mit Ausgleich und ggf. Neubegründung der Zugewinngemeinschaft); führt zu geringerer Steuerlast im Erbfall

Kein Ausgleich vorgesehen

Schenkungen/Vermögensübertragungen bis zur Grenze des Erb-/Schenkungssteuerfreibetrages (500.000 €) steuerneutral möglich

Schenkungen/Vermögensübertragungen bis zur Grenze des Erb-/Schenkungssteuerfreibetrages (500.000 €) steuerneutral möglich

Häufig Bewertungs-/Berechnungsstreitigkeiten im Ausgleichsfall

Klare Trennung

Im Erbfall erhöht sich die gesetzliche Erbquote des überlebenden Ehegatten neben weiteren gesetzlichen Erben erster Ordnung (Kindern) um ein Viertel zur Abgeltung des Zugewinnausgleichs; der Pflichtteil, der sich im Falle der Enterbung auf die Hälfte der gesetzlichen Erbquote beläuft, anteilig auch

Das zusätzliche Viertel zur Abgeltung des Zugewinnausgleichs entfällt

 

Fazit: Eine Gütertrennung hat nicht nur Vorteile, sie will wohlüberlegt sein und muss danach auch im Hinblick auf die finanziellen Dispositionen der Ehegatten untereinander „gelebt“ werden. Der Schutz vor Mithaftung für die Schulden des Ehegatten oder der Verbleib von Schenkungen/Erbschaften der Eltern eines Ehegatten beim beschenkten Kind ist durch die Zugewinngemeinschaft sichergestellt und erfordert keine Gütertrennung. In vielen Fällen können die Vorteile der Zugewinngemeinschaft (Erbfall, Verteilungsgerechtigkeit) per Modifikation der Zugewinngemeinschaft durch notariellen Vertrag mit besonderen Erfordernissen der Ehegatten kombiniert und so erhalten bleiben.

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